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| >> Institut für Soziologie >> Forschung | Bearbeitet am 02.10.2008 |
Unter dem Signalwort Globalisierung werden vielfältige, widersprüchliche und offene Prozesse zusammengefaßt, deren spezifische Struktur herauszuarbeiten ist. Lehrveranstaltungen und Forschungsvorhaben des Schwerpunkts beschäftigen sich mit drei spezifischen Globalisierungsprozessen: Zunächst geht es darum, wie die internationale politische Ökonomie die sozial- und kulturräumliche Gestalt der Staaten und Gesellschaften, Regionen und Gemeinden verändert. Hier wird die Zusammenarbeit mit asiatischen, südamerikanischen und afrikanischen Regionalwissenschaften - zum Beispiel durch das Nebenfach - gesucht, um globale Regionalität an ausgewählten Gesellschaften und Regionen untersuchen zu können. Zweitens werden ausgewählte Institutionen und Organisationen, Unternehmen und Netzwerke, an denen die Dynamik von Globalisierung und Informationsgesellschaft deutlich wird, untersucht. Dabei kann es sich um internationale Organisationen und Initiativen, informationsindustrielle Netzwerke und transnationale Kommunikationsgemeinschaften in den Medien handeln. Drittens schließlich wird theoretisch die Spannung zwischen globaler und europäischer Normbildung betrachtet, die für die europäische Verfassung ebenso wie in internationalen Organisationen von Bedeutung ist.
Lehrveranstaltungen, Kolloquien und Angebote für Magister- und Doktorarbeiten sind in diesen Bereichen zu erwarten. Die Anbindung an regionalwissenschaftliche Nebenfächer, von den Asienwissenschaften bis zur Skandinavistik, ist ebenso erwünscht wie die an Nachbarfächer, die sich ebenfalls mit Organisations- und Netzwerkforschung beschäftigen. Auch für theoretische Arbeiten zu Globalisierung und Europäisierung ist die Nutzung des Wissens von Nachbar- und Nebenfächern sinnvoll. Es wird gebeten Anfragen und Anregungen, die die Arbeit dieses Schwerpunktes betreffen, an Professor Dr. Hermann Schwengel zu richten.
In den andauernden Prozessen der Technisierung und Ästhetisierung der menschlichen Lebenswelt werden erlernte und anvisierte Welt- und Selbstbilder fortlaufend flexibilisiert, relativiert bzw. entwertet. Diese Artifizierungen und Entsicherungen motivieren einerseits die Sehnsucht nach Gewißheit in religiöser Orientierung, andererseits verändern sich in diesen Prozessen die Vorstellungen über die anthropologische Konstitution des Menschen. Gefragt wird: Läßt sich mit Blick auf historische Reihen oder typologische Vergleiche klären, ob und wie qualitative Sprünge in der Abhängigkeit der Sozialwelt von der hergestellten Wirklichkeit nützlicher" bzw. schöner" künstlicher Dinge diagnostizierbar und beschreibbar sind? Welche Potentiale und Blockaden bergen angesichts der biologischen, biopolitischen, und biotechnischen Selbstfeststellung des Menschen die derzeit verfügbaren, älteren und jüngeren, expliziten und impliziten Anthropologien mit ihren politisch-theologischen, religionskritischen und naturforscherlichen Startpunkten? Wie werden aus den Beständen von Kunst und Religion die quasi-weltanschaulichen Imaginationen der Lebensführung und die quasi-ästhetischen Projekte der Lebenskunst so zusammengestellt, daß sie legitim und lebbar erscheinen?
In diesem Lehr- und Forschungsschwerpunkt werden Veranstaltungen zu anthropologischen und soziologischen Grundlagen und Manifestationen technischer, ästhetischer und religiöser Phänomene angeboten. Wert gelegt wird auf die Mitführung der intellektuellengeschichtlichen und diskursanalytischen Dimensionen und auf die interdisziplinäre Erhellung von beispielhaft zu machenden Ereignissen und Strukturen. Dabei kann sich die jeweilige Thematik mehr auf die Anthropologie konzentrieren oder kunst-, technik- oder religionssoziologisch profiliert sein. Aus den theorie- und themenorientierten Seminaren können auch Anregungen für kleinere empirische Studien mitgenommen werden. Es wird gebeten Anfragen und Anregungen, die die Arbeit des Schwerpunktes betreffen, an Professor Dr. Wolfgang Eßbach zu richten.
Wissen spielt beim Wandel gesellschaftlicher Strukturen eine entscheidende Rolle. Damit verbundene Phänomene aufzuspüren und zu erklären ist Ziel dieses neuen Lehr- und Forschungsschwerpunkts: In welcher Weise bringt Technik Wissen in eine neue Form? Wie werden Arbeit und Beruf über Geschlecht konstruiert (und umgekehrt: wie konstruieren Arbeit und Beruf Geschlecht)? Welche Integrationsleistungen können und müssen Individuen in sich modernisierenden Wissensgesellschaften erbringen, um Gesellschaft und sich selbst zusammenzuhalten? Was leistet eine modernisierungstheoretische Perspektive sich entwickelnder Wissensgesellschaften entlang der Kategorien Geschlecht, Arbeit und Beruf, Organisation und Technik? Und schließlich: Wie läßt sich eine solche in einem interdisziplinären Zusammenhang entwickeln, stärken und nutzen?
Das Angebot der Veranstaltungen umfaßt sowohl theoretisch orientierte Seminare wie auch empirische Forschungs- und Lehrprojekte; alle sollen neben der inhaltlichen Seite auch Präsentations- und Moderationstechniken sowie Schlüsselkompetenzen zur Bewältigung von Informationsmassen vermitteln. Anvisiert ist dabei, verschiedene Perspektiven und Disziplinen miteinander ins Gespräch zu bringen und Synergien zu nutzen. Dies soll sinnvollerweise in Verbindung mit Ingenieur- und Technikwissenschaften, Anthropologie und Medizin sowie kultur- und betriebswissenschaftlichen Fächern geschehen. Es wird gebeten Anfragen und Anregungen, die die Arbeit dieses Schwerpunktes betreffen, an Prof. Dr. Nina Degele zu richten.
Eine Grundkategorie des menschlichen Daseins ist "Sicherheit": das tatsächliche oder subjektiv vermeintliche Fehlen von Risiken verschiedenster Art: arm oder arbeitslos zu werden, fehlende oder unzureichende Versorgung im Falle von Krankheit oder Pflegebedürftigkeit, Opfer von Gewalt oder anderen Straftaten zu werden usw. Auch unter modernen Bedingungen ist das glaubwürdige Versprechen von Sicherheit eine der zentralen Ressourcen für die Legitimierung von Herrschaft. Sicherheit im objektiven und subjektiven Sinne beruht auf sozialen Konstruktionen und Arrangements. Im Forschungsschwerpunkt steht die Frage nach dem Raumbezug von sozialer Sicherheit im Vordergrund. Variieren die tatsächlichen und vorgestellten Risiken von Arbeitslosigkeit, Armut, Gewalt, schlechter Versorgung bei Pflegebedürftigkeit usw. mit verschiedenen Regionstypen und wenn ja: welche Gründe hat das? In diesem Zusammenhang werden auch Fragen und Widersprüche aus der aktuellen Diskussion zur Stadt- und Regionalentwicklung thematisiert: Bedeutet die Orientierung am Leitbild der "unternehmerischen Stadt" ein Ende der "sozialen Stadt"? Wie vereinbar ist das Leitbild der "sicheren Stadt" mit Vorstellungen über "Urbanität"? Können wir tatsächlich einen Trend zur "unzivilisierten Stadt" beobachten? Finden veränderte Zeitarrangements im Erwerbsleben ihre Entsprechung in einer "kommunalen Zeitpolitik"?
Im Forschungsschwerpunkt werden Lehrveranstaltungen angeboten und empirische Forschungsprojekte, an denen die Mitarbeit möglich ist und die Gelegenheit zu Magisterarbeiten und Dissertationen bieten. Es wird gebeten Anregungen und Anfragen, die die Arbeit dieses Schwerpunktes betreffen, an PD Dr. Baldo Blinkert (AOR) zu richten.
Interviews auf Computer überspielen und
transkribieren (PDF-Datei):
Ein Manual für die Aufnahme und Transkription von Interviews mit einer EDV-basierten, einfachen und effektiven Lösung
© Jonas Cremer/ Jan Kruse/ Hildegard Wenzler-Cremer
Abgeschlossene Projekte: